Die Forschungstätigkeit des Lehrstuhls steht unter der interdisziplinär ausgerichteten Leitmaxime

 (Familien)Unternehmertum und Beschäftigtenrecht der digitalen Wirtschaft

 

 

Forschungsfeld (Familien)Unternehmertum

Das erste Forschungsfeld umfasst mit dem Familienunternehmen und Entrepreneurship/Start-up zwei wichtige Teilbereiche. Die Zusammenfassung fußt auf dem verbindenden methodischen Ansatz, dass sich beide Unternehmenstypen durch jeweils eigene Systemlogiken auszeichnen, die es aus rechtswissenschaftlicher Perspektive zu reflektieren gilt.

Familienunternehmen:

Das „Familienunternehmertum“ ist in den angrenzenden Nachbarwissenschaften der Wirtschaftswissenschaft sowie der Soziologie bereits ein eigenständiges, dynamisch wachsendes Forschungsfeld mit zahlreichen Forschungsinstitutionen sowie Stiftungslehrstühlen. Auch aus rechtswissenschaftlicher Perspektive zeichnet sich seit einigen Jahren der Trend ab, dass eine systematische und grundlagenorientierte Erforschung der verschiedenen Fragestellungen von Familienunternehmen, bei denen eine große Schnittmenge zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besteht, in Form eines „personalisierten“ Unternehmensrechts notwendig ist, welches über die klassischen juristischen Fächergrenzen hinausgeht. Hintergrund dieser Entwicklung ist nicht nur die Erkenntnis, dass Familienunternehmen empirisch dominant sind– nach Berechnungen des IfM Bonn zählen 95,3 % der Unternehmen in Deutschland zu den Familienunternehmen, 41,1 % aller steuerbaren Umsätze und 61,2 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entfallen hierauf. Wissenschaftlich reizvoll ist dieser Unternehmenstypus, weil er strukturell „anders“ als anonyme Publikumsgesellschaften ist. Familienunternehmen zeichnen sich durch einen bestimmenden unternehmerischen Einfluss aus, den eine oder mehrere Familien durch ihre Gesellschafterstellung und Mitwirkung in den Aufsichts- und Leitungsgremien auf das Unternehmen nehmen. Insofern treffen bei Familienunternehmen mit der Unternehmerfamilie und dem Unternehmen zwei Systeme aufeinander, die von gegenläufigen Handlungs- und Bewertungslogiken geprägt sind. Die Verknüpfung bedingt, dass dem Unternehmenstypus sowohl ein im Vergleich zu anonymen Publikumsgesellschaften einzigartiges Chancen-, zugleich aber auch ein enormes Konfliktpotential und damit ein strukturelles Risiko innewohnt.

Unternehmertum/Entrepreneurship:

Das sog. Entrepreneurship ist in den Wirtschaftswissenschaften ebenfalls bereits eine eigenständige Teildisziplin, die sich mit Fragen rund um die Gründung von Unternehmen basierend auf innovativen Geschäftsmodellen beschäftigt. Aus rechtswissenschaftlicher Sicht ist eine systematische Beschäftigung mit den Rechtsfragen von Unternehmensgründungen und den Strukturveränderungen im digitalen Zeitalter dringend angezeigt, um eine aktiv gestaltende Rolle zu spielen. Es gilt zu erforschen, welchen Beitrag das Recht leisten kann, um innovative Geschäftsmodelle, wozu auch Finanzierungs-, Beschäftigungs- und Mitarbeiterbeteiligungsmodelle zu rechnen sind, adäquat zu fördern,

Zentrale Themencluster in diesem Forschungsfeld sind u.a.:

  • Family Business Governance
  • Unternehmensnachfolge
  • Unternehmerische Mitbestimmung
  • Arbeitsrecht für Start-ups
  • CSR
  • Business Venturing

Forschungsfeld Beschäftigtenrecht der digitalen Wirtschaft

Die Veränderungen, die digitale Geschäftsmodelle in unserer globalisierten Wirtschaft nach sich ziehen, stellen in ganz besonderer Weise den arbeitsrechtlichen Rechtsrahmen vor grundlegend neue Herausforderungen. Es gilt, diesen evidenzbasiert innovationsermöglichend weiter- vor allem aber auch neu zu denken. Denn das Arbeitsrecht ist von den Veränderungen nicht nur in seiner ganzen Breite (Arbeitszeitrecht, Datenschutz etc.), sondern auch in seinen Grundfesten betroffen (Infragestellung des bilateralen Arbeitgeberbegriffs durch kollaborative, netzwerkartige Wertschöpfungsstrukturen, Plattformen als neue Akteure auf dem Arbeitsmarkt, Auflösung des Betriebs als Ankerpunkt von Mitbestimmung – Stichwort Matrix sowie Verflüchtigung der tradierten Kennzeichen des Arbeitnehmerseins und Hinzutreten alternativer neuer Beschäftigungsformen. Der am Lehrstuhl verfolgte innovative Forschungsansatz besteht angesichts dessen darin, das klassische Arbeitsrecht hin zu einem stärker modularisierten Beschäftigtenrecht weiterzuentwickeln, das funktional ansetzt und damit gebietsübergreifend das Arbeitsrecht, das Bürgerliches Recht und das Wirtschaftsrecht umfasst, um ein flexibles System mit abgestuften, den verschiedenen Schutzbedürfnissen jeweils entsprechenden Schutzbausteinen auszuformen.

Zentrale Themencluster in diesem Forschungsfeld sind u.a.:

  • Beschäftigtenrecht im Netzwerk
  • Plattformen als neue Intermediäre auf dem Arbeitsmarkt
  • Interessenvertretung von Neuen Selbständigen
  • Weiterentwicklung des Arbeitnehmerbegriffs für hochqualifizierte Wissensarbeiter