Globalisierte Produktionsketten, wie sie für die Textil- und Bekleidungsindustrie kennzeichnend sind, werden durch die von Staaten ausgehenden Regulierungsformen – auf nationalstaatlicher ebenso wie auf völkerrechtlicher Ebene – nur in Ausschnitten erfasst. Das Unterlaufen bestehender oder Ausnutzen fehlender Rechtsnormen im Bereich des Arbeits-, Sozial- und Umweltschutzes in den Produktionsländern hat dazu geführt, dass
inzwischen eine Vielzahl auf „privater Autorität” beruhender Standards etabliert worden sind, die diesem Defizit begegnen sollen (hierzu und zu weiteren “corporate social responsibility”-Ansätzen siehe auch den Beitrag “Globale Standards für soziale Unternehmensverantwortung – Corporate Social Responsibility (CSR)-Leitlinien als neue Regelungsebene des Internationalen Wirtschaftsrechts“, in: Recht der Internationalen Wirtschaft [RIW] 2014, S. 402-410.). Aus dem Hinzutreten dieser privaten (bzw. privat-öffentlichen) Normen zur staatlichen Regulierung ergeben sich über verschiedene Regelungsebenen miteinander in Beziehung stehende und teilweise konfligierende Governance-Systeme.
In Kooperation mit Wissenschaftlern des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF, Universität Duisburg-Essen) soll im Rahmen eines von der Mercator-Stiftung finanzierten Forschungsprojekts (Förderzeitraum März 2015 – Februar 2017; Förderprogramm: MERCUR) eine empirische Bestandsaufnahme dieser Governance-Arrangements vorgenommen und das Zusammenspiel internationaler, staatlicher und privater Normsetzung analysiert werden. Im Zentrum des Projekts wird eine Pilotstudie stehen, in der – neben den Arbeits- und Umweltstandards – u.a. auch die Sozialstandards in der asiatischen Textil- und Bekleidungsindustrie (am Beispiel von Bangladesch und Kambodscha) näher untersucht werden. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des MERCUR-Projekts “Political Authority in Transnational Governance Arrangements. Regulation through Public and Private Labour, Social and Environmental Standards in the Asian Textile and Apparel Industry”
Pressemitteilung des Mercator Research Center Ruhr
Seit Dezember 2015 ist das Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE) Mitglied des Bündnisses für nachhaltige Textilien.